| In den ersten drei Lebensjahren hat sich das Kind durch das Aufrichten und Gehen vom hilflosen Säugling zu einem der Welt gegenüberstehenden Menschen entwickelt. Mit der Sprache hat es die ersten Namen und Begriffe der Welt aufgenommen und sich damit eine stark erweiterte und differenzierte Wahrnehmungsmöglichkeit erworben. Aufbauend auf die Sprache erwirbt sich das Kind um das dritte Lebensjahr herum ein erstes Verbinden der Wahrnehmungsinhalte, das Denken, und damit auch ein erstes Bemerken der eigenen Individualität. Das Kind sagt nun "Ich" zu sich. In dieser Entwicklungsphase kommt das Kind in den Kindergarten. In dieser Zeit, aber vor allem im vierten Lebensjahr entwickelt das Kind dann die schöpferische Phantasie, die es später zu einem reichen Vorstellungsleben und dann zum logischen Denken kommen lässt. Das Kind in diesem Alter kann sich in jedes Detail die ganze Welt hineinphantasieren. Es kann in jedem Bild Wesentliches wahrnehmen. Anspruchslose Gegenstände werden nun durch die Phantasiekräfte des Kindes zu Elementen der Wirklichkeit verwandelt, nachgeahmte Handlungen werden ständig neu und anders vollzogen. In den folgenden Jahren, in der Zeit zwischen dem fünften und siebten Lebensjahr, werden nun auch die Handlungen der Kinder unabhängiger von der Umwelt. Der Wille des Kindes, der es bisher unbewusst auf seine Sinneseindrücke reagieren ließ, wird nun gerichteter und kommt mehr und mehr auch von innen. Es entwickeln sich Vorstellungen im Kind und lassen es zu einem zielvollen Handeln kommen. Die aus Rudolf Steiners anthroposophischer Menschenkunde hervorgegangene Waldorfpädagogik hat aus einer spirituellen Erkenntnis des Menschen heraus, bei welcher das Geistige als die das Physische formende Kraft angesehen wird, auf die - für das Kind in den ersten sieben Lebensjahren oben kurz angedeuteten - Entwicklungsstufen des Menschen, die adäquaten Einwirkungs- und Erziehungsmöglichkeiten entwickelt. Der Waldorfpädagogik muss es heute vor allem darum gehen, entwicklungsschädigenden Verfrühungen entgegenzuwirken. |